Philipp Kosack
1869–1938

Mythos Blaue Mauritius

»

Ist diese Marke auch nicht die seltenste, die die Briefmarkensammelkunde kennt, so ist sie anerkanntermaßen doch eine der begehrtesten.

Von Klär, Deutsche Briefmarken-Zeitung 20/4, 1909

Sie gehören zu den beliebtes­ten und wertvollsten Brief­marken der Welt: die Blaue Mauritius und ihre Schwester, die Rote Mauritius. Diese Raritäten symbolisieren alles, was Briefmarken attraktiv und geheimnisvoll-anziehend macht: ein märchenhaft hoher Wert, Seltenheit und eine faszinierende Entstehungsge­schichte, um die sich manche Mythen und Legenden ranken. Bis heute haben sich zwölf blaue und 15 rote Exemplare erhalten – jede von ihnen mit einer eigenen Geschichte, die von ihrem Auffinden und der Reihe ihrer Besitzer erzählt.

Eine Kron­kolo­nie druckt eige­ne Brief­marken

Grund für die Herstellung war angeblich, dass die Frau des Gouverneurs der Insel, William Maynard Gomm, einen Kostümball gab. Dies sah Gomm als perfekte Möglichkeit, das neue, ohnehin geplante Briefmarken­konzept vorzustellen, indem er die Balleinladungen mit den neuen Marken frankieren und verschicken ließ. Gedruckt wurden dazu je 500 rote »One Penny« und 500 blaue »Two Pence« Marken – die berühmten Mauritiusmarken. Damit ist Mauritius 1847 die erste Kronkolonie des britischen Empires, die unabhängig eigene Briefmarken produzierte und das fünfte Land weltweit. Durch die geringe Anzahl waren die Marken jedoch schnell aufgebraucht, eine zweite Auflage folgte – zu lesen war jedoch am Rand nun nicht mehr »Post Office«, sondern »Post Paid«. Zu Beginn regte dies einerseits Spekulationen über Fehldrucke und Irrtümer an, trug andererseits aber auch zur Legendenbildungen bei und bedingt bis heute den hohen monetären Wert der ersten Drucke.

links: Blaue Mauritius, Moens Nr. XXIII; 
rechts: Rote Mauritius, Moens Nr. VII
links: Blaue Mauritius, Moens Nr. XXIII; rechts: Rote Mauritius, Moens Nr. VII / © MSPT, Foto: Jürgen Liepe

Mauritius

Mauritius ist eigentlich nur eine kleine Insel im Indischen Ozean, die aber schon damals wegen ihrer natürlichen Ressourcen und ihrer Lage als Kolonie begehrt war. Im 10. Jahrhundert von den Arabern entdeckt, ließen sich Anfang des 16. Jahrhunderts die Portugiesen dort nieder. Nach einem knappen Jahrhundert übernahmen jedoch die Niederländer die Insel, bevor diese nach weiteren 100 Jahren 1715 zur französischen Kolonie wurde und der Anbau von Zuckerrohr, Baumwolle und Indigo begann. 1810 eroberten dann schließlich die Briten die Insel, die 1847 auf Mauritius Postwert­zeichen einführten und damit eine der bekann­testen und wertvollsten Briefmarken herstellten.

Der Ankauf der Raritäten

Auch das 1872 gegründete Reichspostmuseum, das erste Postmuseum der Welt und heute das Museum für Kommunikation Berlin, hatte großes Interesse am Erwerb der beiden bekanntesten Briefmarken. Das Haus und seine philatelistische Sammlung wurden jedoch früh von der deutschen Presse aufs Korn genommen, da sie weder die berühmte One Penny Red noch die Two Pence Blue »Post Office« von Mauritius besaßen. Grund dafür waren auch damals schon die horrenden Preise der Marken. 1897 überließ schließlich der französische Händler Théophile Lemaire dem Reichs­postmuseum eine Rote und eine Blaue Mauritius zur Ansicht und Prüfung. Schnell wurde aber klar, dass auch hier der geforderte Preis für das Museum zu hoch sein würde. Man nutzte jedoch die Zeit und fertigte Faksimiles der beiden Raritäten für die Ausstellung an. Nun gesellte sich auch die internationale Presse zum höhnischen Spott, da das Reichs­postmuseum sich mit billigen Kopien zufrieden gäbe und sich die Originale nicht leisten könne.

Außenansicht des Reichspostmuseums von der Leipziger Straße, 1897
Außenansicht des Reichspostmuseums von der Leipziger Straße, 1897 / © MSPT, Foto: Hermann Oskar Rückwardt

Erst durch den jüdischen Brief­markenhändler Philipp Kosack änderte sich dies. Er bot im Tausch gegen Restbestände deutscher Kolonialmarken dem Museum 1901 die Rote, und 1904 für einen Tauschwert von umgerechnet 1.400 Pfund Sterling bzw. 28.500 Goldmark die Blaue Mauritius an. Auch nach dem Verkauf erschien in der Zeitschrift »Der Philatelist« noch eine Annonce der Firma Philipp Kosack, in der sie jene Rote Mauritius anbot – obwohl sich die Marke längst im Reichspostmuseum befand. Der Briefmarkenhändler wusste, wie er durch kluge Werbung auf die Aktivitäten seiner Firma aufmerksam machen konnte.

Inserat Kosacks der Roten Mauritius in »Der Philatelist«, November 1901, Nr. 11, S. 335
Inserat Kosacks der Roten Mauritius in »Der Philatelist«, November 1901, Nr. 11, S. 335 / © MSPT

»Man hatte es immer schmerzlich empfunden, dass jeder Besucher, der nach den Mauritius Post-Office fragte (und das that fast jeder), ablehnend beschieden werden musste. Um wenigstens ein Bild dieser Marken zu geben, wurden, wie bekannt, nach den Originalen einige vorzügliche Facsimiles hergestellt, die als Lückenbüßer gelten mussten […]. Die philatelistische Sammlerwelt wird gewiss mit Freuden die Nachricht begrüßen, dass wir nun im Postmuseum auch eine Mauritius Post-Office, als einziges in Deutschland bekanntes Exemplar, besitzen. Wie wir hören, geschah der Erwerb der Marke durch Vermittlung der Firma Philipp Kosack, Berlin«.
Der Philatelist, 22. Jahrgang, Dresden, Nr. 2/1901, S. 311.

Echt oder nicht echt?

Beide Marken wurden seitdem zusammen mit weiteren philatelistischen Raritäten auf dem sogenannten Mauritius-Tableau hinter einem aus Panzerglas beste­henden Tresor im Reichspostmuseum präsentiert. Sie zählen bis heute zu den wertvollsten Objekten im Besitz der Museums­stiftung Post und Telekommu­nikation. Noch zur gleichen Zeit geriet der Erwerb jedoch in die Kritik, befeuert insbesondere durch Paul Ohrt, Mitglied des philatelis­tischen »Germania-Rings«. Er zweifelte sowohl die Rechtmäßigkeit der Tauschgeschäfte als auch die Echtheit der Blauen Mauritius an. Die Vorwürfe konnten jedoch schnell widerlegt werden.

»Die Tatsachen [scheinbar fehlende Entwertung sowie mangelnde Frankierung] haben neuerdings einen Teil der Sammler und Händler veranlaßt, die Echtheit der Marke in Zweifel zu ziehen. Das ist umso wunderbarer, als derzeit gerade jene Kreise den Erwerb des Wertzeichens mit großer Genugtuung begrüßt hatten. […] Diese Ansicht ist natürlich unzutreffend und bedarf seitens der Reichs-Postverwaltung, die sich selbstverständlich vor der Erwerbung des Stückes über seine Herkunft genau unterrichtet hat, einer Widerlegung.«
Von Klär, Deutsche Briefmarken-Zeitung 20/4, 1909

Mauritius-Tableau mit Rahmen
Mauritius-Tableau mit Rahmen / © MSPT, Foto: Jürgen Liepe

Grund für den Vorwurf der Fälschung war die angeblich fehlende Entwertung auf der Marke sowie die unzureichende Frankierung. Beim Erwerb solch teurer Marken spielen aber insbesondere die Provenienz, also die Herkunft und die ehemaligen Besitzer eine entscheidende Rolle. Die Two Penny Blue-Frankatur ist auf ein Duplikat des berühmten Bordeaux-Briefes, dem einzigen Objekt, welches sowohl die Rote als auch die Blaue Mauritius gleichzeitig umfasst, aufgebracht.

Der Name – »Bordeaux« – gab dabei das Ziel an: Nicht unge­wöhnlich, da viele Siedler der vormals französischen Kolonie aus dem Mutterland kamen. Entsprechend viele Postsendungen gingen eher nach Frankreich als nach Groß­britannien. Duplikat deshalb, da dieser zweite Bordeaux-Brief mit identischem Inhalt 1847 als Sicherheit doppelt, wie damals üblich, mit einem anderen Schiff ab Port Louis, der Hauptstadt und dem Hafen Mauritius‘, abgeschickt wurde. Der Weinhändler Edward Francis bestätigt darin seinem Lieferanten »Messieurs Ducau & Lurgury« in Bordeaux den Erhalt von 48 Wein­fässern. Entdeckt wurde der Brief dann 1902 von einem französischen Schüler im Firmen­archiv, worauf der Brief vom Briefmarkenhändler Théophile Lemaire aufgekauft wurde, bevor ihn schließlich Kosack für das Reichspost­museum erwarb.

Brief nach Bordeaux „Duplikat“ mit der Blauen Mauritius, Moens Nr. XXIII
Brief nach Bordeaux „Duplikat“ mit der Blauen Mauritius, Moens Nr. XXIII / © MSPT, Foto: Jürgen Liepe

Philipp Kosack

Philipp Kosack wird am 7. Oktober 1869 in Berlin als Sohn des jüdischen Zigarren­fabrikanten Bernhard und seiner Frau Rahel Kosack geboren. 1890 eröffnet er sein eigenes Laden­geschäft in der Neuen Königstraße 38, in dem er neben Tabakwaren auch Briefmarken anbot. Es dauert nicht lange, bis er deren Verkaufs­potenzial erkennt, sich auf den Briefmarkenhandel fokus­siert und sein Geschäft in die Burgstraße 13 verlagert. Bereits 1891 schaltet er erste Inserate und ab 1900 veranstaltet er die ersten großen Briefmarkenauktio­nen in Deutschland.

Kosacks Ladengeschäft in der Burgstraße mit Erweiterungsbau, um 1915
Kosacks Ladengeschäft in der Burgstraße mit Erweiterungsbau, um 1915 / © MSPT, Foto: Emil Leitner

Briefmarkenhändler mit Renommee

Früh wird er so zu einem führenden Briefmarkenhändler in Berlin. Zeitweise arbeitet er auch mit dem bekannten jüdisch-dänischen Briefmarkenhändler Edvard Meinert Ruben zusammen, mit dem er 1900 den Restbestand des Lagers von Jean-Baptiste Moens, einer Koryphäe der Philatelie, erwirbt. Kosack ist Mitglied der führenden deutschen sowie einiger interna­tionaler Briefmarkenver­eine. Durch seinen Ruf und seine Fachkenntnisse zahlreicher Gebiete, gerade der altdeutschen Staaten, arbeitet er auch als Preisrichter, Prüfer und Berater. Er gilt als Förderer der philatelistischen Forschung, der u.a. sein Lager zur Verfügung stellte, und ist ab 1905 bis zu deren Einstellung 1934 Heraus­geber der Berliner Briefmarken-Zeitung.

Rechnungsbeleg der Firma Philipp Kosack & Co. aus der Burgstraße, 1916
Rechnungsbeleg der Firma Philipp Kosack & Co. aus der Burgstraße, 1916 / © MSPT

Flucht nach Dänemark

1935 wird er dann aus rassisch motivierten Gründen gezwungen, die Position als alleiniger Geschäfts­führer seiner Briefmarkenhandlung aufzugeben. Ab 1938 übernimt sein Mitarbeiter Ernst Hartmann die Leitung. Verstärkt orientiert sich Kosack nach Dänemark und bringt nach Möglichkeit seine wertvollen Stücke in die Aktiengesellschaft der Gebrüder Ruben ein, bevor er selbst nach Dänemark auswandert.  Weiterhin in Berlin gemeldet, stirbt Kosack am 16. Mai 1938 im Alter von 68 Jahren in Kopenhagen.

Auszug aus der ehem. Berliner Briefmarken-Zeitung, Haus-Mitteilungen der Firma Kosacks über die Abgabe seines Ladengeschäfts, 1938
Auszug aus der ehem. Berliner Briefmarken-Zeitung, Haus-Mitteilungen der Firma Kosacks über die Abgabe seines Ladengeschäfts, 1938 / © MSPT

Kosack und das Reichs­post­minis­terium

Philipp Kosack gehörte zu den beständigsten Händlern bei denen das Reichspost­museum Erwerbungen tätigte. Er pflegte gute Beziehungen zum Leiter des Museums Ferdinand Hennicke (1897–1910), sowie zum Staatssekretär des Reichspostamtes Reinhold Kraetke (1900–1917). Dabei nahm er für seine Lieferungen und Aufträge nicht immer Geld, sondern als Ausgleich oft im Museum gelagerte und außer Kurs gesetzte Marken, Essais und Markenabschnitte von Postfor­mu­laren, oder bei der Reichs­druckerei in Auftrag gegebene Neudrucke, um sie selbst zu verkaufen. Diese Tauschgeschäfte wurden aber von anderen Brief­marken­händlern kritisch gesehen – sie warfen Kosack vor, dass er seine Kontakte für Gefälligkeiten und zur persönlichen Bereicherung ausnutzen würde. Im Gegenteil profitierte aber auch das Reichspostmuseum von diesem Handel: Gerade für teure Neuer­werbungen konnte das Haus nicht die finanziellen Mittel aufbringen und hätte auf solche Objekte vollends verzichten müssen. Damit kam dem Reichspost­museum der Tauschhandel also ebenso entgegen.

Das Thema zog dennoch Kreise, bis es 1908 sogar im Reichstag aufgegriffen wurde. In der Folge geriet Kraetke in die Kritik und ließ schließlich alle Akten zu den Geschäfts­beziehungen mit Kosack vor 1908 vernichten. Die Reichspost-Administration verbot als Konsequenz die Herausgabe von nachgedruckten Postwertzeichen und Druckmakulatur. Verbunden blieb Kosack dem Museum aber dennoch: Sein philatelistisches Wissen stellte er diesem weiterhin in beratender Funktion zur Verfügung.

Briefmarkenausstellung des Reichspostmuseums mit dem Wandtresor und dem darin enthaltenen Mauritius-Tableau, um 1930
Briefmarkenausstellung des Reichspostmuseums mit dem Wandtresor und dem darin enthaltenen Mauritius-Tableau, um 1930 / © MSPT

In der Zeit des Nationalsozialismus geriet Kosacks ehemaliger Tausch­handel mit dem Reichspostmuseum erneut in die Kritik. So denunzierte ihn 1934 Alfred Bock, Gauwahl­leiter der NSDAP und selbst Briefmarken­händler in Berlin, als Kommunist und Juden. Er warf ihm vor, betrügerische Handlungen und Vermögensdelikte begangen zu haben. Kosack hätte seine »Mono­polstellung« gegenüber dem Reichspostmuseum ausgenutzt und dadurch ein Millionen­vermögen erworben.

Scheinbar hielt aber selbst der Proto­kollant den Kläger Bock für unbelehrbar, nachdem dieser auch nach dargelegten Indizien nicht von seinen Behauptungen abweichen wollte. 1936 wird der Fall gegen den jüdischen Briefmarkenhändler dennoch eingestellt, jedoch nicht durch die Gegenargumentation Kosacks, sondern aufgrund der Verjährung des Falls. Von einer Unterrichtung Kosacks wird in den Akten allerdings abgesehen.

»Herr Bock erklärte alles für falsch und die Sachverständigen [zur Blauen Mauritius] des Jahres 1908 für Nichtskönner und Stümper. […] In dreistündiger lebhafter Rede und Gegenrede war Herr Bock nicht zu überzeugen, daß seine Behauptungen, selbst wenn sie richtig wären, niemals bewiesen werden könnten.«

»Der Angelegenheit ist damals nicht weiter nachgegangen worden, weil die Sachen verjährt waren und nur schwer hätten bewiesen werden können. […] Eine Antwort an Kosack ist nicht tunlich. […] Es ist nicht ausgeschlossen, dass Kosack mit seinen Schreiben an alle möglichen Stellen […] seine eigene Verhaftung beabsichtigt, um als jüdischer Märtyrer dazustehen. […] wird die Partei ihm diesen Gefallen nicht tun.«

Wie ging es mit der Blauen Mau­ritius weiter?

Nachdem das Tableau sowohl in der Weimarer Zeit, als auch der Zeit des National­sozialismus im Reichspostmuseum lange ausgestellt und präsentiert wurde, mussten die beiden Mauritius-Marken zusammen mit anderen Briefmarkensammlungen im Zweiten Weltkrieg durch zunehmen­de Bomben­angriffe der Alliierten 1943 ausgelagert werden. Während einige Objekte in den Kellergewölben des Museums verblieben, gelangten die wert­vollsten Stücke in den Tieftresor der Reichsbank. 1944 erfolgte jedoch eine Verlagerung ins Bergwerk der Mansfeld AG zu einer stillgelegten Schachtanlage in Eisleben, wo die Kisten in 300 Meter Tiefe ver­schwanden und vermauert wurden. Nach Kriegs­ende trans­portierten dann US-amerikanische Soldaten die gelagerten Bestände aus der sowjetischen Besatzungszone nach Marburg an der Lahn, um sie dem Zugriff der Roten Armee zu entziehen.

Wandtresor im Reichspostmuseum mit dem Mauritius-Tableau, 1930
Wandtresor im Reichspostmuseum mit dem Mauritius-Tableau, 1930 / © MSPT

Gerettet und dennoch verschwunden...

Eine Registrierung der genauen Objekte schien aber nicht zu erfolgen, sodass die amerikanische Mili­tär­verwaltung im Frühjahr 1946 bei der Sichtung der Sammlung feststellen musste, dass die berühmtesten Schätze, darunter die Blaue und die Rote Mauritius, fehlten. Die Suche nach den Marken gestaltete sich ergebnislos. Auch Untersuchungen des Postmuseums der DDR, welches die Räumlich­keiten des alten Reichs­post­museums nutzte, verliefen 1958 und in den Folgejahren im Sand.

Blick von der Leipziger Straße/ Ecke Mauerstraße auf das zerstörte Reichspostmuseum im Frühjahr 1946
Blick von der Leipziger Straße/ Ecke Mauerstraße auf das zerstörte Reichspostmuseum im Frühjahr 1946 / © Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst

Rückgabe der Kriegsbeute: wem gehören die Marken?

Erst 1976 kommen die vermissten Raritäten in den Vereinigten Staaten wieder ans Tageslicht: Der ehemalige US-Captain Dennis E. Sweeney, der 1945 bei der Verlagerung der Markenbestände in die amerikanische Besatzungszone mit­gewirkt hatte, bot das Mauritius-Tableau mit den acht seltenen Marken auf der Briefmarken­messe »Interphil« in Philadelphia dem britischen Händler Robson Lowe zum Kauf an. Dieser schaltete jedoch umgehend Scotland Yard ein, da die Marken bereits von Interpol als Kriegsbeute gesucht wurden. Sweeney übergab den Schatz dem amerikanischem Zoll, welcher sich um eine Rückfüh­rung kümmern sollte. Dieser händigte das Tableau jedoch nicht aus, da sowohl die Bundes­republik als auch die DDR Anspruch auf die Marken erhoben. Die Raritäten kehrten dadurch erst nach der deutschen Wieder­vereinigung 1990 über die Deutsche Botschaft in Washington nach Berlin zurück. Seit 2000 ist das Tableau nun wieder in der Schatz­kammer des Museums für Kommu­nikation, im ehemaligen Reichspost­museum, in Berlin zu sehen.

Special Agent im Zollamt mit dem Mauritius-Tableau, 1977
Special Agent im Zollamt mit dem Mauritius-Tableau, 1977 / © MSPT

Teilen &
Erinnerung schaffen

#tsurikrufn – machen Sie mit!

Mit dem Teilen dieses Porträts in sozialen Netzwerken unterstützen Sie unser Anliegen, an jüdische Persönlichkeiten, die unsere Gesellschaft seit über 1.700 Jahren mitgestalten, aktiv zu erinnern.

Über das Porträt

Ein »Erinnerungsstück« vom
Museum für Kommunikation, Berlin
www.mfk-berlin.de

Autor: Marcel Flach

Gestaltung und redaktionelle Bearbeitung: Dr. Ulrike Horstenkamp, AsKI e. V.

Techn. Bearbeitung von Abbildungen, Audio- und Videodateien: Franz Fechner, AsKI e.V.

Quellenangaben

Das Museum für Kommunikation Berlin
Das Museum für Kommunikation Berlin gilt als das älteste Postmuseum der Welt. Den Anstoß zur Gründung des Museums gab 1872 der Generalpostmeister Heinrich von Stephan. Das Reichspostmuseum wurde zunächst in den Räumen der Post untergebracht. Aber schon bald beauftragte von Stephan den Geheimen Postrat Ernst Hake, ein neues, repräsentatives Gebäude in exponierter Lage zu errichten.

Seit seiner Eröffnung im Jahr 1898 durchlief das Museum eine wechselvolle Geschichte. Während der Schließung im Zweiten Weltkrieg wurde der überwiegende Teil der Sammlung ausgelagert und nach Kriegsende nach Hessen gebracht, wo er den Grundstock für das »Bundespostmuseum« in Frankfurt bildete. Das Gebäude in Ostberlin wurde 1958 behelfsmäßig instand gesetzt und als Postmuseum eröffnet. Westberlin gründete 1966 das »Berliner Post- und Fernmeldemuseum« in der Urania. Die Wiedervereinigung im Jahr 1989 brachte auch für die Museen eine Wende: Seit März 2000 sind die beiden Berliner Museen wieder an einem Standort vereint.

Das Museum versteht sich als Ort der Begegnung, des Austauschs, der Unterhaltung, kurz: der Kommunikation. Im Vordergrund stehen dabei der veränderte Umgang mit Zeichen, Codes und Medien und die daraus entstehenden Veränderungen im privaten wie im öffentlichen Leben. Dabei bietet das Museum auch eine klassische und umfangreiche Sammlung von historischen Objekten. In seiner Schatzkammer präsentiert das Museum kostbare Exponate, allen voran die Blaue und die Rote Mauritius.