Karl Flesch
1853–1915

Die Soziale Frage

»

Unsere Vermögenden aber wissen von den Verhältnissen der Armen nur zu wenig. Daher kommen die allgemeinen Beschwerden über Rohheit, die Verwilderung, die Trunksucht etc. der unteren Klassen, die allgemeine Deduktionen, daß ‚jeder Tüchtige es zu etwas bringen könne‘, daß man nicht jedem helfen könne‘ u.s.w., die bedeutend gemildert und abgeschwächt würden, wenn man sich die wirklichen Verhältnisse, wie sie allein auf Grund der gezahlten Löhne bestehen können, genau vergegenwärtigte.

Aus Fleschs Vorwort der Publikation ›Frankfurter Arbeiterbudgets‹

Der Sozialpolitiker Karl Flesch war seit 1884 hauptamtlicher Stadtrat für soziale Angelegenheiten und leitete bis 1915 das Frankfurter Armen- und Waisenamt. Im Freien Deutschen Hochstift engagierte er sich als Vorsitzender der Abteilung für Soziale Wissenschaften und stellvertretender Vorsitzender des Akademischen Gesamt-Ausschusses, der in Frankfurt partiell Aufgaben einer Hochschule übernimmt und Vorlesungen und Seminare in sieben Fachabteilungen anbietet. Unter Fleschs Führung widmet sich das Hochstift zwischen 1884 und 1914 verstärkt der Sozialen Frage. Er macht das Thema ›Arbeitslosigkeit und Arbeits­vermittlung‹ zum Gegenstand eines in ganz Deutschland beachteten ›Sozialen Kongresses‹, bei dem ein Kompromiss ausgehandelt wird, der die rechtliche Lage der Arbeiter verbessert.

Mit den Frankfurter Volksvorlesungen erweitert Flesch zudem den Bildungsauftrag des Hochstifts, indem er die dort tätigen Bildungsbürger und Pädagogen animiert, ihr Wissen in Vorträgen und Lehrgängen mit jenen zu teilen, die Bildung nicht von Haus aus besitzen. Für Flesch stand fest:

»Keine soziale Gerechtigkeit, ohne die gleichberechtigte Teilhabe aller Schichten an Bildung und Kultur.«

Faible für Sozialpolitik

In die Wiege gelegt

Engagement für das Gemeinwohl und ein Faible für Sozialpolitik ist Karl Flesch schon in die Wiege gelegt, ebenso wie die Verbindung zum Freien Deutschen Hochstift. Schon sein Vater, der Frankfurter Arzt Jakob Gustav Flesch (1819-1892, seit 1859 Adam Flesch), gehörte zu den sieben jüdischen Gründungs­mitgliedern des Vereins, der das Frankfurter Goethe-Haus betreibt und als demokratisch organisierte Bildungseinrichtung für seine Mitglieder Vorträge und Lehrgänge anbietet.

Karl Flesch wird 1885 Mitglied und er ist in den 1890er Jahren maßgeblich daran beteiligt, das Freie Deutsches Hochstift zu einer bürgerlichen Denkfabrik für sozialpolitische Reformen auf kommunaler Ebene zu machen. Der Sozialpolitiker und Arbeitsrechtler gehört zu den herausragenden Persönlichkeiten bei der Reorganisation des Hochstifts in dieser Zeit. Seine Person und sein Lebensweg sind geradezu exemplarisch für jenen Typus eines Bildungsbürgers, der sich im Freien Deutschen Hochstift engagiert. Fleschs Familie lebt seit dem 17. Jahrhundert in Frankfurt am Main. Seine Eltern, Jacob und Florentine Flesch, geb. Creizenach, waren 1859 unter dem Einfluss der Ideen von Freiheit und Gleichheit der Märzrevolution vom jüdischen zum protestantischen Glauben konvertiert. Der Vater ist ein erfolgreicher Arzt mit republikanischer Gesinnung, die Mutter stammt aus einer angesehenen jüdischen Familie und ist die Schwester des Goetheforschers Theodor Creizenach.

Karl Flesch besucht erst die Musterschule, später das Frankfurter Gymnasium. Ab 1872 studiert er in Heidelberg Rechtswissenschaften. 1880 lässt er sich als Rechtsanwalt in Frankfurt am Main nieder und verteidigt wiederholt sozialdemokratische Arbeiter, die aufgrund der Sozialistengesetze unter Anklage stehen. 1884 nimmt er eine Stelle als hauptamtlicher Stadtrat für soziale Angelegenheiten an und wird kurz darauf Leiter des Frankfurter Armen- und Waisenamtes.

Soziale Wissenschaften im Freien Deutschen Hochstift

Etwa zur gleichen Zeit konstituieren sich im Freien Deutschen Hochstift einzelne aka­demische Abteilungen. Flesch wird zum Vorsitzenden der Abteilung für Soziale Wissen­schaften gewählt und kurz darauf zum stellvertretenden Vorsitzenden des Akademischen Gesamt-Ausschusses. Der Abteilung für Soziale Wissenschaften gehören damals bedeutende Frankfurter Bürger an, darunter auch viele jüdische Mäzene und Stifter.

Als Sozialpolitiker und Jurist ist Flesch bemüht, die Lebenssituation der Arbeiter in der Industrie dauerhaft zu verbessern. Sein besonderes Interesse gilt dabei dem Arbeitsrecht und dem Arbeitsvertrag, der zwischen dem abhängigen Arbeiter und dem Arbeitgeber ein klares Rechtsverhältnis schaffen sollte. In der Volkswirtschaftlichen Sektion der Abteilung für Soziale Wissenschaften im Hochstift werden zahlreiche Vorträge und Lehrgänge zu sozialen Themen angeboten, zumeist im Saalbau in der Junghofstraße.

Saalbau, Frankfurt am Main, um 1890
Saalbau, Frankfurt am Main, um 1890 / © Freies Deutsches Hochstift, Frankfurt am Main

Durch Fleschs Engagement wird das Hochstift weit über die Grenzen Frankfurts hinaus als ein wissenschaftliches Institut wahrgenommen, das sich der Sozialen Frage annimmt und Themen aufgreift, die Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung gewinnen.

Sozialstudie

Das Freie Deutsche Hochstift bietet unter Flesch im Jahr 1885 u.a. einen Zyklus des Wirtschafts- und Sozialhistorikers Gottlieb Schnapper-Arndt zum Thema »Die menschliche Lebensdauer unter dem Einflusse der sozialen Faktoren und die Methode der Bestimmung derselben«. Im Geschäftsjahr 1887/1888 unterstützt das Hochstift ein Forschungsprojekt, das der gründlichen »Erforschung der wirtschaftlichen Gestaltung der Verhältnisse der unteren Volksklassen« dienen soll. Flesch hatte die Studie initiiert und im Hoch­stift über die Resultate einer 1884 in Bristol angestellten Enquête über die Verhältnisse der dortigen armen Bevölkerung (»Report of the committee, appointed February 8th 1884, to inquire into the condition of the Bristol poor«) berichtet. Die Studie erscheint unter der Verantwortung von Karl Flesch 1890 in der Reihe der Schriften des Freien Deutschen Hochstifts unter dem Titel »Frankfurter Arbeiterbudgets. Haus­haltungs­rechnungen eines Arbeiters einer Königl. Staats-Eisenbahnwerkstätte, eines Arbeiters einer chemischen Fabrik und eines Aushilfearbeiters«.

Seele der Frankfurter Sozialpolitik

Kampf gegen Arbeitslosigkeit

Der Sozialpolitiker Flesch, die »Seele der Frankfurter Sozialpolitik«, genoss das Vertrauen der Frankfurter Oberbürgermeister Johannes Miquel und Franz Adickes. Das Problem der Arbeitslosigkeit und der Arbeitsvermittlung war ein drängendes Thema der Zeit. Noch Miquel hatte, mit der Unterstützung Fleschs, die Gründung einer Arbeitsvermittlungsstelle – eines Vorläufers des Arbeitsamtes – auf den Weg gebracht. Immer wieder weist Flesch – auch in Hochstift-Vorträgen – darauf hin, dass dem Arbeitsvertrag eine besondere Rolle bei der Verbesserung der Lage der Arbeit zukommt. Dass die Arbeiter der Willkür der Arbeitgeber ausgesetzt sind, die oft einseitig die Bezahlung und Dauer des Arbeitsverhältnisses festsetzen, stellt für den Juristen Karl Flesch eine Verletzung der Rechtsordnung dar, die von der Gleichheit der Bürger ausgeht.

Mit Hilfe des Freien Deutschen Hochstifts macht er das Thema im September 1893 zum Gegenstand eines ›Sozialen Kongresses‹ in Frankfurt am Main mit dem Titel: »Arbeitslosigkeit und Arbeitsvermittlung in Industrie- und Handelsstätten«. Erstmals prallen hier die bürgerlich-liberalen und gewerkschaftlichen Vorstellungen über das Problem der Arbeitslosigkeit aufeinander. Das Ergebnis des Kongresses ist für alle Beteiligten ein Erfolg. Ein Kompromiss zwischen dem Generalsekretär der deutschen Gewerkschaften und den bürgerlichen Arbeitgebern wird erreicht, der sich allerdings erst im politischen Alltag bewähren musste.

Publikation Arbeitslosigkeit und Arbeitsvermittlung
Publikation Arbeitslosigkeit und Arbeitsvermittlung / © Freies Deutsches Hochstift, Frankfurt am Main

Schelte der Sozialdemokraten

Vielen Sozialdemokraten ging das ausgehandelte Kompromissangebot entschieden zu weit. Auf dem Kölner Parteitag der Sozialdemokraten kritisieren Wilhelm Liebknecht und August Bebel das Ergebnis scharf. Sie bezeichnen die Zusammenarbeit der Gewerkschaften mit den bürgerlichen Sozialreformern als »einen Verrat an den Prinzipien des Sozialismus«. Dabei hatten Flesch und das Hochstift bei der Vorbereitung des Kongresses versucht, niemanden auszuschließen und sich um politische Neutralität bemüht.

Die wissenschaftliche Verhandlung volkswirtschaftlicher Fragen im Sinne »fortschreitender Entwicklungen unseres staatlichen und sozialen Lebens« sollte im Vordergrund stehen, weshalb nicht nur Theoretiker, sondern auch Praktiker aus allen sozialen Schichten eingeladen wurden. »Gerade deshalb hätten sich die Gewerkschaften sowie andere Vertrauensmänner der sozialdemokratischen Partei schon bei den Vorbereitungen und später an der Leitung und den Verhandlungen des Kongresses beteiligen können: eine solche Beteiligung habe mit der politischen Partei­zu­ge­hörig­keit selbstverständlich nichts zu tun« heißt es in einer Stellungnahme der Volkswirtschaftliche Sektion auf die Kritik von August Bebel.

In dem vom Hochstift organisierten Sozialen Kongress kommen Oberbürgermeister und hohe städtische Beamte mit Gewerkschaftsvorsitzenden sowie Arbeitern und Handwerkern zusammen. Den unterschiedlichen sozialen und politischen Lagern bietet sich ein Forum zur freien Aussprache. Zwischen 300 und 400 Teilnehmer zählt ein Redakteur, der in einem ausführlichen Bericht in der ›Frankfurter Zeitung‹ schreibt: »Männer der Wissenschaft, Kommunalbeamte, offizielle und private Statistiker, Delegierte von Arbeitervereinigungen, ›wilde‹ Volkswirtschaftler, Philanthropen und Zeitungsleute«, seien aus allen Teilen des Reiches zusammengekommen, »um gemeinsam einen Weg zur Lösung der gestellten, schwergewichtigen Frage betr. Arbeitslosigkeit und Arbeitsvermittlung anzustreben«. Die Reden des Kongresses erscheinen 1894 in der Schriftenreihe des Hochstifts und der Akademische Gesamt-Ausschuss kann in seinem Tätigkeitsbericht stolz vermelden, dass »eine große Zahl deutscher Städte« dank der Veranstaltung und ihrer Ergebnisse begonnen hätte, städtische Arbeitsnachweise einzurichten. Die Ministerien von Preußen, Württemberg und Bayern empfehlen sogar »den Gegenstand der Verhandlungen den ihnen nachgeordneten Behörden zur Beachtung.«

Arbeiter- und Frauenrechte

»Die Armenpflege hat also alle Maßregeln zu befördern, welche den Arbeitsvertrag und die Familie tauglich machen zur Erfüllung der ihr nach unserer Gesellschaftsordnung zufallenden Funktionen; und sie hat ebenso auf Mängel in dieser Beziehung (zu geringe Lohnhöhe einzelner Arbeiter, schlechte Wohnungsverhältnisse, mangelnde Hauspflege, die kein Familienleben zulassen) aufmerksam zu machen.«

Karl Flesch an den Leipziger Stadtrat Leo Friedrich Ludwig-Wolf, Brief vom 24.05.1901

Erste Sozialstudien

Flesch und das Hochstift unterstützen zudem eine Reihe von statistischen Erhebungen über die Arbeitsverhältnisse, aber auch zu den Wohnungs- und Lebensverhältnissen der unteren Klassen. Bereits 1890 war Fleschs Studie zu ›Frankfurter Arbeiterbudgets‹ erschienen, und noch im gleichen Jahr tritt er einer Enquete über die Verhältnisse der Schumacher bei, die von Philipp Stein vom Institut für Gemeinwohl geleitet wird. Diese Einrichtung versucht, die vielen unkoordiniert nebeneinander tätigen kommunalen Vereine und privaten Stiftungen im Bereich Armenfürsorge zusammenzuführen und widmet sich zugleich der wissenschaftlichen Erforschung der sozialen Probleme. 1897 erscheint in der Schriftenreihe des Hochstifts der Band »Zur Lage der Arbeiter im Schneider- und Schuhmachergewerbe in Frankfurt am Main«. Darin befindet sich auch ein Beitrag der Sozialpolitikerin und Frauenrechtlerin Henriette Fürth (1861-1938) – seit 1887 Mitglied des Hochstifts – über »Frauenarbeit in der Herrenschneiderei«. Sie betätigt sich ebenfalls in der Sektion für Volkswirtschaft und ist die erste Frau, die in der bis dahin nur aus Männern bestehenden Abteilung einen Vortrag hält. 1901 begründet sie gemeinsam mit Bertha Pappenheim die ›Weibliche Fürsorge‹, eine Einrichtung, in der sich Frauen für Frauen sozial engagieren.

Die Frankfurter Volksvorlesungen

»Volksthümliche Vorträge«

Durch die engagierte Tätigkeit von Karl Flesch und den Mitgliedern der Sektion für Volkswirtschaft wird das Freie Deutsche Hochstift als politisch neutrale wissenschaftliche Akademie angesehen, die sich im Bereich Bildung auch für die Belange der unteren Klassen einsetzt. Im Jahr 1890 bildet sich auf Initiative von Flesch in Frankfurt am Main ein ›Comité zur Veranstaltung unentgeltlicher volksthümlicher Vorträge‹, dem auch viele Hochstiftsmitglieder angehören. Ende November wendet sich das ›Comité‹ mit der Bitte an den Akademischen Gesamt-Ausschuss, sich an den Kosten der Volksvorlesungen zu beteiligen. Bereits eine Woche später wird beschlossen, einen Betrag von 300 RM für den Winter 1890/91 zu bewilligen. Der Zuschuss ist an die Bedingungen geknüpft, dass bei den Vorträgen jede Parteipolitik ausgeschlossen bleibt.

Protokoll-Auszug des Akademischen Gesamt-Ausschusses vom 03.12.1890
Protokoll-Auszug des Akademischen Gesamt-Ausschusses vom 03.12.1890 / © Freies Deutsches Hochstift, Frankfurt am Main

Das Bildungsbedürfnis dürfe »nicht durch äußere Verhältnisse eine Einschränkung erleiden«, heißt es in den ›Berichten‹. Das Hochstift ist anfangs diejenige Institution, welche die praktische Ausrichtung des Ausschusses für Volksvorlesungen am meisten beeinflusst. Denn mit seinen wissenschaftlichen Fachabteilungen liefert es für das Projekt Vortragende aus verschiedensten Wissensgebieten. Die Förderung endet erst 1914 als in Frankfurt am Main eine Stiftungsuniversität gegründet wird. Adolf Mannheimer, Schriftführer des ›Ausschusses für Volksvorlesungen‹ und Hochstiftsmitglied, hatte in seinem Buch ›Die Bildungsfrage als sociales Problem‹ die These vertreten, dass zur Idee der sozialen Gerechtigkeit auch die gleichberechtigte Teilhabe aller Schichten an Bildung und Kultur gehöre.

»Wer die Dinge besitzt, in welchen sich früher geleistete wissenschaftliche und künstlerische Arbeit verkörpert – die Bücher und Bibliotheken, Kunstwerke und Museen, – der verliert nichts, wenn den Vielen der Zutritt geöffnet wird zu den Genußquellen, deren sie bisher ‚beraubt‘ waren – daher der Name Privat-Eigentümer – und zwar beraubt zugunsten einiger Weniger, die von dieser Ausschließlichkeit des Besitzes und Genusses nicht einmal einen Vorteil hatten. So zeigt sich, daß bei den neuen Volksbildungsbestrebungen die nationalökonomische Wirkung in derselben Richtung liegt, auf die ihr sozialpolitischer Ausgangspunkt hinweist. Sie fördern jene Entwicklung, in der schon Goethe Ziel und Aufgabe unserer gesamten kulturellen Entwicklung erkannte: den Ausgleich zwischen Besitz und Gemeingut. «
Karl Flesch: Volksvorlesungen und verwandte Bestrebungen. Aus: Das Freie Wort. Frankfurter Halbmonatsschrift, April 1904, S.66-74

Am 16. Januar 1891 findet die erste Volksvorlesung statt. Erster Redner ist der Lehrer Veit Valentin, der Vorsitzende des Akademischen Gesamt-Ausschuss, der über die »Entstehung der Baustile und ihre Bedeutung für die Kunst und das Kunstgewerbe« referiert. Auch Flesch spricht über »Ausgewählte Kapitel aus der Entwicklungslehre«. Alle Vortragenden verzichten auf ein Honorar.

 

Veit Valentin
Veit Valentin / © Katharina Culié

Die Mehrheit der Arbeiter nimmt die Angebote der Volksvorlesungen gerne an, in dessen Ausschuss sozial engagierte Frankfurter Bürger mit reformistisch eingestellten Arbeitervertretern eng zusammenarbeiten. Die Breitenwirkung des von Karl Flesch auf den Weg gebrachten Frankfurter Modells war enorm. Die Freitagsvorlesungen in der knapp 1.000 Menschen fassenden Stadthalle wurden zu einer Institution, »durch die Tausende hindurchgeschleust und Hunderte veranlaßt wurden, ebenfalls an Formen intensiverer Bildungsarbeit teilzunehmen, nachdem einmal ihr Bedürfnis nach Fortbildungsgelegenheit geweckt war«. Das Publikum der Vorlesungen besteht in der Mehrzahl aus gewerblichen Arbeitern, doch sind auch selbständige Gewerbetreibende, Schüler und zudem viele Frauen vertreten. Das Freie Deutsche Hochstift unterstützt die Bemühungen, den Arbeitern den Zugang zu Museen und Kunstwerken zu erleichtern und hatte seit 1892 für die Volksvorlesungen einen ständigen Posten im Haushaltsplan eingesetzt.

Letzte Jahre

Karl Flesch, um 1910
Karl Flesch, um 1910 / © historisches museum frankfurt (hmf)

Bis zu seinem Tod 1915 bleibt Karl Flesch im Ausschuss für Volksvorlesungen und Mitglied in zahlreichen kulturellen und wohltätigen Vereinen. Auch als Stadtrat für soziale Angelegenheiten und Leiter des Frankfurter Armen- und Waisenamtes sowie als Vorsitzender des gewerblichen Schiedsgerichts und der städtischen Arbeitsvermittlungsstelle engagiert er sich bis zuletzt in seiner Heimatstadt. Darüber hinaus gehört er als Abgeordneter der Fortschrittlichen Volkspartei seit 1908 dem Preußischen Landtag an. Im Nachruf des Hochstifts heißt es:

»Seit mehr als 30 Jahren hatte er dem Hochstift angehört und bald in der Verwaltung, bald im Akademischen Ausschusse eifrig an dem Ausbau des Instituts mitgewirkt. In Verbindung mit dem Hochstift begründete er die hiesigen Volksvorlesungen, die unter seiner Leitung in immer wachsendem Maße ihren segensreichen Einfluß übten. Es gab keine volkswirtschaftliche Einrichtung oder Veranstaltung in Frankfurt, an der der Verewigte nicht hervorragenden Anteil gehabt hätte, und so beklagt vor allem auch unsere Abteilung für Volkswirtschaft, deren Vorsitz er lange Jahre führte, den Tod des Vielverdienten.«

Teilen &
Erinnerung schaffen

#tsurikrufn – machen Sie mit!

Mit dem Teilen dieses Porträts in sozialen Netzwerken unterstützen Sie unser Anliegen, an jüdische Persönlichkeiten, die unsere Gesellschaft seit über 1.700 Jahren mitgestalten, aktiv zu erinnern.

Über das Porträt

Ein »Erinnerungsstück« vom
Freien Deutschen Hochstift – Frankfurter Goethe-Museum
www.freies-deutsches-hochstift.de

Autor: Dr. Joachim Seng, Leiter der Bibliothek am Freien Deutschen Hochstift

Gestaltung und redaktionelle Bearbeitung: Dr. Ulrike Horstenkamp, AsKI e. V.

Techn. Bearbeitung von Abbildungen, Audio- und Videodateien: Franz Fechner, AsKI e.V.

Quellenangaben

Das Freie Deutsche Hochstift
Das Freie Deutsche Hochstift ist eines der ältesten Kulturinstitute Deutschlands und eine gemeinnützige Forschungsinstitution. Sie wird zu gleichen Teilen gefördert von der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt am Main.

Zu ihm gehört als ideeller und anschaulicher Mittelpunkt Goethes Elternhaus am Großen Hirschgraben in Frankfurt am Main.